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Kleine persönliche Firmengeschichte

Was schon 9 Jahre?? Ja, so lange gibts Buchtip schon. Wie ist denn das möglich? Mit ein bißchen Idealismus und viel Liebe zur Sache. Und natürlich auch mit Arbeit und Fleiß.
Im Jahr 1997 (ich war 22) erfolgte mein erstes Buchhandelsexperiment: Im 15. Wiener Bezirk - ghettoähnliche Verhältnisse - eröffnete ich in meiner Geschäftslokalwohnung mein erstes Buchgeschäft. Meine sichere Anstellung in der größten Buchhandlung Wiens hatte ich zuvor gekündigt. Die Verkaufsfläche war ca 20 qm, die Regale waren die sogenannten Kellerregale vom Ikea. Die Bücher waren naja solala - aber auch der Geschäftszweig "Micky-Maus-Hefte-Tausch" brachte ein paar Schillinge. Mein Kater hüpfte ständig in die Auslage und warf die Bücher durcheinander... .........
1998 - Ein Jahr später - Experiment "Buch im Ghetto" geglückt, traute ich mich, ein eigenes Lokal anzumieten. Es befand sich im 8. Bezirk, war wieder klein - aber schon größer als das vorige - nämlich 36qm, und ich wollte es unbedingt. Habe der Immobilienmaklerin schon zugesagt, bevor ich die für die Firmengründung benötigten Behördenwege absolviert hatte. Das Geschäft in der Lange Gasse 25 entwickelte sich zum vollen Erfolg. Ich wage fast zu sagen: Kult. Die wohnzimmerartige Atmosphäre und die unglaubliche Menge von 10 000 Büchern die in diese 36qm gepfercht waren, taten ihre Wirkung. (Im Lagerregal standen die Bücher 3-reihig! - trotzdem konnte ich jedes Buch finden!!) Meine seriöse Wirkung ließ auf sich warten, aber ich konnte auch ganz gut damit leben "jung und dumm" zu sein. Es machte mir große Freude, auch wenn ich im Winter nur in spezieller Kälteschutzkleidung in die Arbeit kam. Unter 2 Pullover lief da gar nichts, denn bis das Geschäft vom Ofen warm wurde, vergingen 2 Stunden... Ich gestehe, daß ich dort auch manches unverkäufliche Buch verheizt habe, wenn das Brennholz aus war... Unser Name in der Lange Gasse war "Das Buch 2nd Hand", es gab uns dort fast 3 Jahre............
Im Herbst 2001 verließ ich die geliebte Lange Gasse um in größere und wärmere Gefilde zu ziehen. Es hatte sich ergeben, daß mein Mann das für uns ideale Lokal gefunden hatte. Ein Platz an dem wir beide arbeiten konnten: 4. Bezirk - Wiedner Hauptstraße 33. Er hatte dort sein Büro und ich mein Geschäft. Die Gesamtfläche betrug 220 qm - wovon 90qm für mein Antiquariat bestimmt waren. Dazu meine helle Freude: 4 große Auslagenfenster!! Ich liebe es nämlich, Schaufenster zu gestalten. Dazu genug Platz vor dem Geschäft um genug Ware auf den Gehsteig zu stellen um genug Leute anzulocken... . Soweit lief alles gut, wir arbeiteten wie die Verrückten - keine Seltenheit erst um Mitternacht rauszukommen... Ich konnte nach einem Jahr sogar eine Mitarbeiterin anstellen: Yvonne Langer - mit ihren Rastazöpfen, Piercings und Tätowierungen ein antiquariatsuntypischer Anblick. Doch ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft kam gerade bei den älteren Damen und Herren bestens an. Dazu noch unsere Hunde: meiner - Struppi und ihre Nala. Insgesamt waren wir sowas wie ein offenes Wohnzimmer, ein Platz mit Büchern, der auch zum Plaudern und Vorbeischauen einlud. Es fanden sich Junge und Alte, Arme und Reiche, Normale und Promis, Dumme und Gscheite an unserer Theke ein. Dachte, es würde ewig so weitergehen - solange bis wir mal genug verdienen würden...
Doch es kam anders: ich bekam einen dicken Bauch. Nicht vom essen und biertrinken. Im April 2003 wurde meine Tochter Vanessa geboren. Viele Kunden haben sie schon als Minibaby von 3 Wochen im Geschäft gesehen. Ich stellte es mir erst so einfach vor, dachte nicht daran, meinen Laden zu schließen. Doch sie wurde größer, begann mehr zu schreien - besonders sobald ein Kunde reinkam. Als wollte sie zeigen, daß sie kein Antiquariatsbaby sein möchte. Und so begriff ich - als sie 6 Monate alt war - endlich, daß ich mein offenes Ladengeschäft aufgeben muß.
Wir übersiedelten also im Oktober 2003 mal wieder: nach Klosterneuburg. Im Büropark Donau befand sich nun Büro und Lager. Im Oktober 2004 sind wir dort wieder ausgezogen.
Nun haben wir alles in unserem Privathaus in Straßhof an der Nordbahn untergebracht: Das Buchtip-Buchlager mit den 8000 Titeln, das Töchterlein Vanessa - die jetzt 3 ist, den Hund Struppi, die vier Katzen, und nicht zuletzt mich und meinen Mann und unsere Computer... Das Arbeiten fällt nun leichter. Die Freude daran ist gleich groß - auch wenn mir die Trennung vom offenen Laden und den Kunden eine ziemliche Depression verursacht hatte. Diese ist nun überwunden und ich freue mich auf alle Anrufe und mails meiner Kunden. Bin jetzt ja rund um die Uhr erreichbar ;-))
Fazit: Bin mit meinen 6-12000 Büchern in 6 Jahren 5x umgezogen und finde noch immer jedes Buch. So kann sogar eine Chaotin Ordnung lernen!
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